
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Belletristik
CHARMANT UND KURZWEILIG
5/2012
>>>Die Tote von Higher Barton - Rebecca Michéle<<<
Verlag: Goldfinch
Broschierte Ausgabe: 356 Seiten
Genre: Krimi - Cornwall-Krimi
Bestellen beim Verlag
Kurzbeschreibung: Mabel Clarence ist sich sicher: Noch vor ein paar Minuten lag in der
Bibliothek des Herrenhauses eine kostümierte tote Frau – erdrosselt mit
einem Strick. Doch nun ist sie verschwunden, ohne jede Spur. Und wo
keine Leiche, da keine Ermittlungen. Glauben schenkt der älteren
Besucherin aus London nur ein kauziger Tierarzt. Also stellt Mabel in
bester Miss-Marple-Manier eigene Nachforschungen an und versinkt immer
tiefer im undurchsichtigen Sumpf der Vergangenheit – bis sie selbst in
die Schusslinie des Mörders gerät …
40 Jahre herrscht Funkstille zwischen den Cousinen. Dann flattert plötzlich eine Geburtstagseinladung aus Cornwall ins Haus, der die pensionierte Krankenschwester Mabel Clarence spontan folgt.
Das Wiedersehen gestaltet sich allerdings ein wenig anders als geplant, denn Mabel hat sich auf den letzten Kilometern verfahren, mangels Handy, Navi und Benzin findet die Party ohne sie statt und sie ist gezwungen bei strömenden Regen inmitten einer stockdunklen gottverlassenen Gegend im Auto zu nächtigen. Erst in den frühen Morgenstunden erreicht sie den Landsitz ihrer Cousine Abilgail Tremaine und noch bevor sie die Hausherrin begrüßen kann stolpert Mabel in der Bibliothek über eine Tote. Doch kaum hat sie die Hausbewohner und die Polizei alamiert und kehrt an den Tatort zurück, ist die Leiche verschwunden.
Abigail ist "not amused" dass die Polizei im Hause weilt und Chefinspektor Warden gibt Mabel klar zu verstehen, dass sie seiner Meinung nach in ärztliche Behandlung gehöre.
Keine Leiche - keine Ermittlungen. Doch Mabel weiß was sie gesehen hat und die Tote lässt ihr einfach keine Ruhe - und so beginnt sie dem Mord selbst auf die Spur zu kommen.
Zu Hilfe kommt ihr ihre neue Bekanntschaft, Viktor Daniels, ein älterer ziemlicher kauziger Typ und Tierarzt der Region. Er scheint der Einzige zu sein der ihr Glauben schenkt. Doch sein zeitweilig merkwürdiges Verhalten lässt ihr Vertrauen wanken. Je tiefer Mabel in die Ermittlungen eintaucht desto größer wird der Kreis der Verdächtigen, die ein plausibles Motiv gehabt hätten der jungen Dame ums Leben zu trachten. Selbst ihre Cousine Abigail kann Mabel nicht ausschließen.
Mabel hat in ein Wespennest gestoßen, weitere "Unfälle" geschehen, denn der Mörder weiß jetzt, dass sie ihm auf der Spur ist.
"Meine Liebe, Sie sind aber nicht Margaret Rutherford und ich nicht Charles Tingwell" - sagt der Inspektor zu Mabel. Und das ist auch gut so ;-) Als Miss Marple Fan möchte ich keinen Abklatsch lesen, aber Paralellen sind wohl beabsichtigt und so wird das Buch ja auch vermarktet.
Mabel ist nicht auf den Mund gefallen und geht beherzt zu Werke, manchmal schießt sie in ihrem Eifer ein wenig übers Ziel hinaus und landet nicht nur einmal in einer Sackgasse. Doch die sympathische Protagonistin wird ja unterstützt von ihrem Mr. Stringer alias Tierarzt Dr. Daniels, der mir mit seiner Charakterzeichnung mit am Besten gefallen hat. Ein ziemlich verschrobener Eigenbrödler, dem reihenweise die Haushälterinnen davonlaufen und für den Tiere die besseren Menschen sind und der dennoch das Herz am rechten Fleck hat. Die restlichen Charaktere verblassen leider ein wenig obwohl oder gerade weil sich hier vieler Stereotypen bedient wird.
Man ist schnell in der Geschichte drin und mit britischem Charme und durchaus auch Humor macht es kurzweiligen Spaß sich mit Mabel auf die Spurensuche zu begeben. Die Kulisse in der Grafschaft Cornwall finde ich sehr passend gewählt und Land und Leute sind sehr atmosphärisch beschrieben, wenngleich die Autorin mit Klischees hier sehr großzügig umgeht.
Ein großer Kritikpunkt geht an das Lektorat - sofern überhaupt vorhanden. Kaum eine Seite die keine Fehler aufweist, zu Lasten der Autorin und des Lesegenuss.
Wer es bei Krimis etwas gemächlicher mag, aber dennoch Spannung nicht missen möchte, England-Fan ist und kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch sucht, dem sei dieser Roman dennoch durchaus ans Herz gelegt.
Das Ende verspricht eine Fortsetzung und ein Blick auf die Homepage der Autorin Rebecca Michéle bestätigt das.
Mein Dank geht an Blogg-Dein-Buch und an den Goldfinch-Verlag die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

23.04.2012, 22.23 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
GÄNSEHAUTGARANTIE
3/2012
>>>Die Zahlen der Toten - Linda Castillo<<<
Audible exclusiv: 13 Stunden 1 Minute (ungekürzt)
Sprecherin: Tanja Geke
>>>Hörprobe/Audible<<<
Kurzbeschreibung: Die verstümmelte Leiche einer jungen Frau liegt auf einem
schneebedeckten Feld. Ihr Mörder hat sie brutal misshandelt und sein
Markenzeichen hinterlassen: Er hat ihr eine römische Zahl in den Bauch
geritzt. Kate Burkholder, die neue Polizeichefin im verschlafenen
Painters Mill, Ohio, kennt dieses Markenzeichen nur zu gut. Kann es wahr
sein? Ist der "Schlächter" tatsächlich wieder zurück? Kate muss den
Killer finden, bevor er noch einmal zuschlägt. Aber wenn sie ihn
überführt, verrät sie nicht nur ihre Familie, sondern deckt auch ein
lange gehütetes, dunkles Geheimnis auf, das auch ihr Leben zerstören
kann.
In dem kleinen beschaulichen Ort Painters Mill in Ohio dürfte das Spannendste an der Polizeiarbeit wohl das Einfangen von entlaufenen Rindviehern sein.
Bis eines Tages im Januar auf dem verschneiten Feld eines amischen Farmers eine übel zugerichtet Frauenleiche aufgefunden wird.
Fesselmale an Händen und Füssen, die Kehle aufgeschlitzt und am Bauch finden sich eingeritzte römische Zahlen.
Die junge Polizeichefin Kate Burkholder sieht sich plötzlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, denn vor 16 Jahren, als sie noch ein Kind war trieb der "Schlächter" sein Unwesen, der seine Opfer auf eben dieselbe Art markierte. Doch Kate ist sich ziemlich sicher dass es sich nicht um denselben Mörder handeln kann - doch darüber reden kann sie auch nicht ohne ein Familiengeheimnis offen zu legen.
Daher verzichtet Sie auf Amtshilfe und ist erpicht den Täter mit ihrem Team alleine zur Strecke zu bringen. Ganz zum Missfallen des Stadtrats, der ihr Inkompetenz vorwirft. Als eine weitere Leiche auftaucht, wird ihr kurzerhand der BCI-Agent (BCI - Bureau of Criminal Identification and Investigation) John Tomasetti zur Seite gestellt. John hat durch ein privates Schicksal schwere Alkohol- und Tablettenprobleme, nichts desto trotz ist er nicht dumm und nach wie vor ein guter Cop, der schnell wittert das Kate etwas zu verheimlichen hat.
Angesiedelt ist die Geschichte in dem ländlichen Ohio in dem Amische beheimatet sind. Die Amische sind eine täuferisch-protestantisch Glaubensgemeinschaft, die jeglichen technischen Fortschritt und Gewalt ablehnen, mit der Kutsche fahren, ihre eigene Kleidung haben und ihre eigene Sprache sprechen, das Pennsylvaniadeutsch.
Kate ist in einer Amish-Familie aufgewachsen, hat sich als Erwachsene aber der Gläubigentaufe entzogen und wurde unter Bann gestellt. Sie ist bei den Amishen daher nicht gerne gesehen, was ihre Ermittlungsarbeit nicht leichter macht.
Ich fand das Debüt von Linda Castillo von Anfang bis Ende spannend. Schon alleine der Prolog, aus der Perspektive eines Opfers, lässt es einen eiskalt den Rücken herunterlaufen und zieht einen regelrecht in den Plot hinein.
Die Autorin lässt ihrer Protagonistin kaum Zeit zum Verschnaufen und hetzt sie durch eine spannende und dramatische Geschichte. Besonders interessant dabei ist die Kulisse der Amische und die wirklich umfangreichen Informationen zu deren Lebensstil, das gibt dem Roman hier das gewisse Etwas.
Die beiden Hauptcharaktere sind sehr vielschichtig und glaubwürdig aufgebaut, mit Ecken und Kanten. Da ist Kate als erste weibliche Polizeischefin mit ihren amischen Wurzeln. Eine sehr sympathische und emotionale junge Frau, die meist recht selbstbewusst auftritt, dabei manchmal ein wenig die Moral aussen vor lässt. Die aber auch durchaus ihre Ängste und Schwächen hat, was man durch die überwiegende Ich-Perspektive sehr gut nachempfinden kann. Und ihr Partner wider Willen, John Tomasetti, bei dem es anfangs schwer fällt durch seine ruppige und distanzierte Art Sympathien zu entwickeln, dadurch aber viel zur Spannung beiträgt.
Die Unverwechselbarkeit der Charaktere durch besondere Eigenschaften oder Spleens sind für mich in einem Roman von Wichtigkeit, ebenso die Eingängigkeit und Prägnanz von Namen. Das finde ich in "Die Zahlen der Toten" durchweg sehr gelungen bis hin zur liebenswerten Telefonistin Mona, die die meiste Zeit die Füsse auf dem Tisch hat.
Die Einbindung einer Romanze mag vielleicht in erster Linie Frauen ansprechen, dennoch sei gesagt dass dieser Thriller nicht für sanfte Gemüter bestimmt ist, denn die detailierte und schonungslose Darstellung der Leichen muss schon speziell verdaut werden.
Die Schreibweise ist flüssig und packend. Die bildhaften Beschreibungen lassen einen manchmal wirklich in der winterlichen Gegend Ohios zittern und frieren. Nervenaufreibend und spannend sind auch die Rückblenden in Kates Vergangenheit. Ein wirklich gelungenes und spannendes Debüt mit Gänsehautfaktor!
Einzig der Teil ist zu bemängeln an dem John Tomasetti in die Geschichte eingeführt wird. Die Ausführungen sind zu verwirrend und lang und bremsen die Spannung des Falls ein wenig aus. Aber das mag in Hinblick auf die Serieneinführung in Ordnung gehen.
Sonst hab ich nur noch den deutschen Titel zu bemängeln. Aber das geht mir öfter so ;-) Ich finde den Original-Titel "Sworn to Silence" wesentlich passender und aussagekräftiger.
"Die Zahlen der Toten" ist der Auftakt zu einer Serie (Amish Crime Thriller Series) um die Ermittlerin Kate Burkholder. Der nächste Fall heisst "Blutige Stille" und der dritte Fall "Wenn die Nacht verstummt" ist ab Mai erhältlich.
Ich habe ja das Hörbuch genießen dürfen mit einer überragenden Tanja Geke. Mein erstes Hörbuch von einer Frau gesprochen und ich war zugegeben etwas skeptisch. Aber Tanja Geke ist wirklich wunderbar. Eine sehr angenehme Stimme und auch die Männerrollen hat sie einfach genial drauf.
Daher werd ich hier warten bis Audible auch "Blutige Stille" mit Frau Geke vertont hat und werde es genießen mir vorlesen zu lassen.
Für mich ist diese tolle Unterhaltung deshalb fast volle Punktzahl wert und ich vergebe sehr gute 4 1/2 Herzen.

22.03.2012, 14.49 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Den Schimmel. Die blutenden Warzen. Hautfalten
2/2012
Sommerhaus mit Swimmingpool - Herman Koch
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Gebundene Ausgabe: 345 Seiten
Genre: Familiendrama
Kurzbeschreibung: Marc Schlosser ist Hausarzt in Amsterdam. Als einer seiner Patienten, der berühmte Schauspieler Ralph Meier, stirbt, muss er sich wegen eines möglichen Kunstfehlers vor der Ärztekammer verantworten. Doch war es wirklich ein Kunstfehler? Oder hat das alles vielleicht mit den Geschehnissen im Ferienhaus zu tun, in dem beide Familien den letzten Sommer verbrachten?
Marc Schlosser ist verheiratet mit der attraktiven Caroline
und ist Vater von zwei Töchtern. Er arbeitet als Hausarzt in einer gutgängigen
Praxis, zu deren Patientenstamm sich hauptsächlich Künstler zählen. Ein
Erfolgsrezept: Marc widmet jedem Patienten exakt 20 Minuten seiner Zeit. Mit
der Verschreibung von Benzodiazepinen ist er nicht zimperlich, und wenn der
Rotwein schmeckt und das Zigarettchen auch dann redet er dem Patienten
nach dem Mund und entbindet sie von ihrem schlechten Gewissen bezüglich ihrer
Genüsse.
Wenn die Patienten wüssten wie ihr misanthropische Hausarzt wirklich über sie
denkt, die Praxis wäre binnem kurz leer. Die Menschen sind ihm eigentlich egal,
die meisten ihrer Krankheiten haben sie eh selbst verschuldet und und den
menschlichen Körper findet Marc Schlosser schon im angezogenen Zustand schlimm
genug. Pobacken können bei ihm Wut auslösen und nach Möglichkeit vermeidet er
bei einer Behandlung jene Körperareale in Augenschein zu nehmen, die nie das
Licht der Sonne erblicken und ein El Dorado für Bakterien sind.
Eines Tages steht auch Ralph Meier, ein bekannter Schauspieler, als neuer
Patient in seiner Praxis und bittet ihn um ein leistungssteigerndes Mittelchen.
Bei einer Theaterpremiere zu der die Meiers ein paar Wochen später geladen
haben, lernen sich auch die Partner kennen und es folgt eine weitere Einladung
zu einer Grillparty wo sich auch die etwa gleichaltrigen Söhne der Meiers mit
Marc und Carolines Töchter anfreunden.
Erotische Spannung liegt in der Luft. Ralph Meier taxiert
Marcs Ehefrau mit seinem Raubvogelblick als wolle er gleich über sie herfallen
und Marc selbst wäre einer Affäre mit Judith Meier keineswegs abgeneigt.
Um eine solche zu forcieren wird der Sommerurlaub von Marc
wie unbeabsichtigt in der Gegend um das Sommerhaus der Meiers geplant, denn
einer Einladung ins selbige zum gemeinsamen Urlaub wollte Caroline nicht
folgen. Mit einem zufälligen Treffen der Familien auf einem benachbarten
Zeltplatz hatte Marc dennoch sein Ziel erreicht, und die restlichen Tage finden
gemeinsam im französischen Sommerhaus mit Swimmingpool statt. Tage die das
Leben aller Beteiligten nachhaltig verändern werden.
Anregende Gespräche, knisternde Erotik, neckische Spiele,
Parties am Strand. Weitere Gäste im Haus sind Judiths Mutter und Stanley, ein
alternder Hollywood-Regiesseur mit seiner blutjungen Gespielin. Da ist Marcs
ältere Tochter die ihre Reize austestet und wohl tiefer in der Pubertät steckt
wie Marc bislang gedacht hatte. Da ist Ralph, der Testosterongesteuerte und Omnipotente,
der jedem Rock hinterherläuft und gerne
seine Macht demonstriert. Da ist Judith die er begehrt und keine Gelegenheit
auslässt dass sich eine Gelegenheit ergibt.
Und da ist plötzlich die Katastrophe die der oberflächigen Idylle
ein jähes Ende bereit.
Anderthalb Jahre später ist Ralph Meier tot und Marc
Schlosser muss sich vor der Ärztekammer veranworten. Judith geht auf ihn los
mit den Worten „Du Schwein!“.
So beginnt die Geschichte und Marc Schlosser erzählt aus
seiner Perspektive die Ereignisse in der Rückblende.
Marc Schlosser ist kein Menschenfreund und wahrlich kein
Sympathieträger. Ein Egoist und Doppelmoralist. Er erinnert sich an Vorträge
seines Professors Aaron Herzl im Fach Biomedizin und argumentiert die
Anziehungskraft der Geschlechter als rein biologischen Prozess, für sich
selbst. Dasselbe Verhalten anderer verabscheut
er. Hat sich Ralph Meier zu etwas hinreissen lassen, dass Marc zur Selbstjustiz
veranlasst hat? Eine falsche Behandlung oder doch ein gezielter „Kunstfehler“?
Ein sarkastischer Erzählstil, der klar auf den Punkt kommt. Gut
recherchiert wird so mancher moralische Abgrund detailiert beleuchtet. Am
besten hat mir der schwarze Humor gefallen. Dieser bitterböse Zynismus mit dem so
manche Szene ekeleregend beschrieben wird ist brilliant. Leider empfand ich diese so herrlichen medizinischen Abhandlungen teilweise den Lesefluss sehr unterbrechend.
Durch das vorgegriffene Ende wirkt das Buch sehr
vorhersehbar. Dennoch entsteht durch gewisse Erwartungen zuweilen ein gewisser Spannungssog, der leider schnell abflacht und unbefriedigt zurücklässt. Auch das Ende hat mich nicht zu überzeugen gewusst, zu weichgespült, nicht den dramatischen Seiten davor Tribut gezollt.
Der Charakter des Marc Schlosser ist mit Sicherheit absichtlich so gezeichnet, dass man kaum Sympathien für ihn entwickeln kann. Seine Gedanken und sein Handeln sind nur im Wechselspiel nachzuvollziehen. Die restlichen Protagonisten bleiben eher farblos, wenngleich ihre Darstellung wohl durchdacht ist.
Ein Familiendrama um die scheinheilige Moral der Gesellschaft. Treue und Eifersucht, Obsession, Rache und Berufsethos werden thematisiert und werfen Fragen auf. Und man bleibt mit der Hoffnung zurück niemals einem solchen Arzt zu begegnen.
Der fulminante Sarkasmus und die Boshaftigkeit aus dem ersten Teil bleibt leider im weiteren Verlauf auf der Strecke. Die ernsthafte Beleuchtung des Themas wirkt deshalb irgendwie unglaubwürdig und ich hätte mir bei der Aufarbeitung der Geschehnisse etwas mehr Tiefe gewünscht.
Aus dem Grund gibts von mir hier "nur" 3 Herzen. Das ist aber nur mein persönlicher Eindruck, ich fand das Buch ansonsten sehr interessant und kurzweilig.

Mein Dank geht an Blogg Dein Buch und den Verlag Kiepenheuer & Witsch (KIWI) für die Überlassung des Rezensionsexemplar.
13.03.2012, 22.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein wirklich gelungenes Debüt
1/2012
>>>Hapu - Teufel im Leib - Michael Zandt<<<
Verlag: Candela - TB 273 Seiten
Genre: Dark Urban Fantasy
Kurzbeschreibung: Die attraktive Hapu ist eine junge Frau, wie viele
andere auch. Sie liebt ihr Motorrad, geht keiner Prügelei aus dem Weg und ist
engagierter Fan der Stuttgarter Kickers. In mancher Hinsicht unterscheidet sich
Hapu aber von der Mehrzahl ihrer Altersgenossinnen. Sie hat schneeweiße Haut,
einen beweglichen Schwanz und… manchmal Appetit auf Menschenfleisch!
Hapu ist jung, attraktiv, kommt aus gutem Hause und geht einer geregelten Arbeit in einem Kulturzentrum nach. Ihre Freizeit verbringt sie größtenteils auf ihrem geliebten Motorrad. Die Wohnung teilt sie sich mit ihrer besten Freundin Hati, ebenso die Leidenschaft zum Fussball. Auf den ersten Blick ein ganz normales junges Mädel mitten in Deutschland. Doch wird man erst mal nicht so wirklich warm mit ihr.
Denn Hapu ist kein menschliches Wesen sondern stammt aus dem Volke der Asartu die vom Herrn der Finsternis nach seinem Ebenbild erschaffen wurden. Die Asartu wurden von Luzifer vor vielen hunderten Jahren auf die Erde entsandt um in seinem Namen das Universum zu erobern, mit enormer körperlicher Kraft und auch schwarzer Magie.
Dieses Unterfangen hingegen scheiterte und zwischenzeitlich leben die Asartu mit den Menschen in weitgehenst friedlicher Koexistenz, pflegen ihre eigene Kultur und wenn der „Hunger“ ruft hoffen sie dass Menschenfleisch aus der Lebendspenderkartei für sie abfällt um ihr Überleben zu sichern.
Von jetzt auf gleich allerdings gerät Hapus Leben gehörig aus den Fugen. Sie verliert ihren Führerschein, ihren Arbeitsplatz und wird öffentlich diffamiert. Und dennoch wird ihr die Ehre zuteil auf dem Brocken der Wahl einen neuen Janade, dem Oberhaupt der Asartu, beizuwohnen. Auf dem Weg dorthin wird ihr von Dämonen nach dem Leben getrachtet und sie beginnt nach weiteren politischen Intrigen zu begreifen, dass ihr in dem ganzen Spiel wohl eine besondere Rolle zuteil wird.
Nachdem sie durch eine Verschwörung des deutschen Landes verwiesen wird, findet sie sich auf der Insel-Nation Kemet wieder und steht plötzlich der lang verschollenen Königin gegenüber die ihre Macht wohl neu entfalten will um Krieg gegen die Menschen zu führen.
Ich wollte ein wenig ausholen, hoffentlich ohne zu viel erzählt zu haben, denn der Klappentext wird dem Inhalt absolut nicht gerecht und der Roman ist es absolut wert dass man neugierig wird.
Aus anderen Werken aus dem Bereich der Urban-Fantasy kenn ich es, dass man durch Portale, Türen, Bilder etc. aus der realen Welt in fantastische Parallelwelten taucht. Hier ist es anders. Hier hat der Autor eine ganz eigene neue mythische Welt erschaffen, Alles fügt sich in die uns bislang bekannte Realität ein, Dämonen und Asartu leben neben und mit uns, und so manch einer weiß vielleicht gar nicht dass er einen Dämon an seiner Seite hat.
Ein erstmal sehr befremdliches Szenario, dass viele Fragen aufwirft aber einen auch zwangsläufig neugierig werden lässt.
Die 3 Teile des Romanes mit relativ kurzen Kapiteln werden von Hapu selbst erzählt was die Geschichte sehr lebendig werden lässt. Ihre sehr direkte und manchmal schroffe Erzählweise unterstreicht ihren Zorn und ihre Gewaltbereitschaft und ihr Charakter erscheint wirklich sehr glaubwürdig. Man bleibt weiterhin distanziert zu dieser so unberechenbaren Person, doch man fiebert mit bei ihrer enormen mentalen und körperlichen Entwicklung die gerade im zweiten Teil des Buches so richtig an Fahrt gewinnt. Oftmals war mir das Tempo sogar eine Spur zu schnell, denn kaum verfolgte man die Handlung in eine gewisse Richtung wurde diese mit einer unerwarteten Wendung zunichte gemacht. Zurück blieb ein Aha-Erlebnis, und ich musste das Buch zeitweilig kurz zur Seite legen um mich zu Sammeln.
Fazit: Viel erfährt man über die Asartu und Dämonen, jedoch war ich trotz geballter Information an mancher Stelle etwas überfordert und irrtiert und ungeachtet weiterer Erläuterungen im Anhang bleiben bei mir Fragen offen. Hingegegen hätte ich mir bei manchen Kapiteln eine detailierte Ausführung gewünscht, ich empfand manche Handlungen als zu schnell erzählt und sprunghaft.
Mir hat der Debütroman von Michael Zandt dennoch sehr gut gefallen, wusste ich doch so anfangs nicht wirklich worauf ich mich einlasse. Diese Fantasy ist so anders als das was ich bisher kannte, böse, barbarisch zuweilen, und auch Hapu lässt sich mit keiner anderen Protagonistin vergleichen. Streckenweise hat mich "Hapu - Teufel im Leib" nachdenklich werden lassen, meine ich doch Analogien erkannt zu haben, vom Autor bewusst oder unbewusst gewollt, zum Nationalsozialismus.
Wer beim fantastischen Roman keine Drachen, Zwerge oder gute Helden braucht, der die liebreizende Prinzessin befreit, der kann sich auf diese andersartige Welt sehr gut einlassen. Mit viel Action und Sex werden auf alle Fälle Liebhaber von Dark-Fantasy auf ihre Kosten kommen. Und aus vorgenanntem Grund ist eine Empfehlung ausschließlich an Erwachsene zu richten.
Untermalt wird die Geschichte durch Illustrationen von Grit Richter die meines Erachtens Hapu perfekt getroffen hat. Sehr geschmackvoll auch ihre Covergestaltung das für mein Dafürhalten den menschlichen Uterus darstellt.
Von mir gibts in der Zusammenfassung sehr gute 3 1/2 Herzen und meinen Dank an Michael für die Überlassung des Rezensionsexemplar.
Der Autor:
Michael Zandt wurde 2011 in der Kategorie "Beste deutschsprachige Kurzgeschichte" für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. "Hapu - Teufel im Leib" ist sein Debüt-Roman.

20.02.2012, 20.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Wächter der Apokalypse
29/2011
>>>Die Auserwählten - A. J. Kazinski<<<
Audible exclusiv - 15 Std. 31 Minuten (ungekürzt)
Sprecher: David Nathan
Hörprobe/Audible
Hörbuch/Beschreibung: Ein Mönch in China, eine Ärztin in Kanada, ein Bürgerrechtler in
Russland - rund um den Erdball werden Menschen ermordet. Menschen,
zwischen denen ein geheimnisvoller Zusammenhang besteht: Die Opfer
tragen ein blutiges Mal auf dem Rücken. In Kopenhagen laufen die Fälle
zusammen, und Kommissar Niels Bentzon übernimmt die Ermittlungen.
Unterstützung bekommt er von Hannah Lund, einer genialen Physikerin,
die, begeistert von mathematischen Theorien, das Rätsel schließlich
löst. Doch damit bringt sie sich und Bentzon in tödliche Gefahr.
2009, Kopenhagen rüstet sich für den
bevorstehenden Klimagipfel und die Polizei ist in höchster Alarmbereitschaft
als eine dringende Sicherheitswarnung eingeht.
Weltweit werden Menschen scheinbar wahllos ermordet. Interpol wirkt
wenig interessiert und überfordert. Einzig der venezianische Polizist Tommaso di Barbara erkennt
Übereinstimmungen bei den Opfern und sammelt im Alleingang Informationen über
die Fälle. Tommaso ist fest davon
überzeugt dass es weitere Morde geben wird und eine Spur führt nach Dänemark.
Nachdem Tommaso aufgrund seiner Eigenmächtigkeit vom Dienst
suspendiert wird überlässt er seine kompletten Recherchen dem dänischen
Polizeipsychologen Niels Bentzon.
Bentzon wird von seinem Vorgesetzten mit der Aufgabe betraut
potentielle Opfer zu warnen. Im Zuge dessen lernt er die Astrophysikerin Hannah Lund kennen und mit ihrer analytischen
Unterstützung kommen sie dem Mythos aus
dem jüdischen Talmud über die 36 Gerechten auf die Spur. 36 Menschen weltweit, die selbst nicht wissen
dass sie auserwählt sind, ohne die die Welt in Scherben liegt. 34 Opfer gibt es
schon und Niels und Hannah wissen nicht welchem Täter sie gegenüber stehen, und
warum tötet er ausgerechnet Gute Menschen??
"Ich weiß, dass ich nichts weiß" - sagte schon
Sokrates. Und wieviel wissen wir dank aller Wissenschaften heute wirklich? Auf
welchem Grad bewegen wir uns? Was gibt es noch Alles zwischen Zeit und Raum,
dessen Fragen wir noch nicht einmal kennen? Wie groß ist der weiße Fleck auf
der Wissenslandschaft?? Lässt sich Religion mathematisch berechnen? Gibt es ein
Leben nach dem Tod?? Und Gott??
Spannend und fesselnd widmet sich der Thriller diesen und
ähnlichen Fragen, liefert aber auch interessante wissenschaftliche Antworten
und Fakten. Gut und Böse ist zentrales Thema und man beschäftigt sich auch im
Nachhinein unweigerlich mit neu aufgeworfenen Fragen um unsere Existenz und das
„Danach“.
Hier ist eine ganz besondere und kreative Mischung gelungen,
die diesen Roman so überraschend
speziell macht.
Diverse Erzählfäden werden ausgelegt und Spuren wie selbstverständlich nebenbei
eingestreut. Am Ende fügt sich alles wie selbstverständlich zu einem Ganzen
zusammen. Die Protagonisten sind stimmig
und intensiv gezeichnet, und bekommen Raum genug sich präsentieren zu können
mit ihren Stärken aber auch Schwächen. Ohne viel Action und Gewalt ist man mittendrin in einer spannender
Atmosphäre der man sich als Leser, oder hier als Hörer, nicht entziehen kann. Das
Buch hatte ich nach dem Sprecher ausgewählt. Und das absolut zu Recht: David
Nathan hat einfach einen famosen Erzählstil!!
4 ½ Herzen gibt es von mir dafür. Den kleinen Abzug gibt es
für das etwas schwache Ende und für meinen subjektiven Eindruck, dass irgendwo ein
Fehler an der Logik sein muss.
Mein Fazit: Eindringlich und facettenreich! Sehr zu
empfehlen!
A.
J. Kazinski ist das Pseudonym für das dänische Autorenduo Anders Rønnow
Klarlund und Jacob Weinreich. Anders Rønnow Klarlund, Jahrgang 1971, arbeitet
als Autor und Regisseur. Für seine Filme ist er bereits mehrfach ausgezeichnet
worden. Jacob Weinreich, 1972 in Århus geboren, ist Drehbuch- und Romanautor. Die Auserwählten ist ihr erster
gemeinsamer Roman. Aber ein weiterer Roman um Niels Bentzon scheint bereits in Arbeit.

11.01.2012, 18.03 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
~Klug und spannend~
27/2011
Das Grab im Wald - Harlan Coben
Audible exclusiv - 12 Std. 47 Minuten (ungekürzt)
Sprecher: Detlef Bierstedt
Hörprobe/Audible
Hörbuch/Beschreibung: Zwei Morde, zwei spurlos Verschwundene und eine Wahrheit, die nie ans Licht kommen darf.
Zwanzig Jahre ist es her, dass vier Jugendliche nachts in einen Wald liefen. Zwei wurden kurz darauf brutal ermordet aufgefunden. Von den anderen beiden fehlt seither jede Spur: Gil Perez und Camille Copeland. Camille war die Schwester von Paul Copeland, mittlerweile ein angesehener Staatsanwalt und gerade mit seinem ersten Mordprozess konfrontiert. Da wird plötzlich die Leiche von Gil Perez gefunden, und über Nacht holt die Vergangenheit Paul wieder ein. Er versucht herauszufinden, was damals wirklich geschah, und gerät immer tiefer in einen wahren Albtraum...
Vor 20 Jahren war Paul Copeland Jugendbetreuer in einem Sommercamp. Ausgerechnet in der Nacht als 2 junge Menschen den Tod fanden, und seither 2 weitere Jugendliche spurlos verschwunden sind, darunter auch seine geliebte Schwester Camille, hat Paul seine Aufsichtspflicht vernachlässigt. Immer noch nagen heftige Schuldgefühle an ihm.Mittlerweile ist Copeland, verwitwet und alleinerziehend, erfolgreicher Bezirksstaatsanwalt und führt gerade die Anklage gegen 2 Studenten aus wohlhabenden Hause, die sich an einer jungen Farbigen vergangen haben.
Beim Sportfest seiner kleinen Tochter wird er von zwei Polizisten aufgesucht und um ein Alibi gebeten. Eine Leiche wurde aufgefunden, die Pauls Adresse bei sich hatte und diverse Zeitungsausschnitte von dem schlimmen Verbrechen im Sommercamp. Paul meint, den toten Mann eindeutig als den damals verschwunden Gil Perez identifiziert zu haben und Hoffnung keimt in ihm auf, dass vielleicht auch seine Schwester Camille noch am Leben war??
Copeland begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit und taucht tief ab in die Vergangenheit und sieht sich mysteriösen Begebnissen gegenüber. Warum tauchte Gil Perez ausgerechnet jetzt nach so langer Zeit auf? Und warum wollen Gils Eltern den Leichnam ihres Sohnes nicht erkennen? Und dann ist da auch noch der Vater eines der angeklagten Vergewaltiger, der ihn massiv unter Druck setzt und heftige Drohungen ausspricht.
Dieser Thriller ist klug und realistisch inzeniert, flüssig geschrieben und psychologisch spannend bis zum Ende. Puzzleteil für Puzzleteil nähert sich der Leser zusammen mit Paul der Wahrheit. Wobei man sämtlichen Spekulationen letztendlich Adieu sagen muss, denn immer wartet Coben mit neuen Wendungen auf. Dafür wird man aber zum Schluß mit einer lückenlosen Aufklärung belohnt.
Sehr gute und kurzweilige Unterhaltung, ohne unnötige Gewalt, die sich auch unaufdringlich mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigt. Eine absolute Hörempfehlung!! Ich freue mich schon auf den nächsten Coben!

19.11.2011, 21.31 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL
~Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer~
Ich bin ja absolut kein Serien-Fan und kenne die meisten Serien somit auch nur vom Hörensagen.
Aber ab heute gehört am Mittwochabend um 20:15 Uhr der Fernseher mir!!

Ich lese gerade den letzten auf deutsch erschienenen 8. Band des Epos und ich bin ein absoluter Fan geworden. Somit ist die Serie für mich ein Muss ;-)
Der Soundtrack zur Serie kann sich auf alle Fälle hören lassen, sehr gelungen wie ich finde. >>HIER<< kann man ins Intro reinhören.
Ein großes Manko gibt es aber leider: Viele Namen und Orte wurden eingedeutscht, was bei Eigennamen wie Jon Snow (in der deutschen Fassung: Jon Schnee) natürlich eine Katastrophe ist und ich hoffe sehr, dass der Gesamteindruck dadurch nicht zu sehr leidet.
Ein weiteres Manko: Die Serie läuft auf dem Sender >>>TNTSerie<<< und ist somit wohl leider nicht für jeden zugänglich. Wir haben rechtzeitig umgestellt, denn diese Serie möchte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.
02.11.2011, 17.33 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL
~Manchmal ist die Liebe des Königs der Fluch des Hofstaats~
26/2011
Eine Frau bei 1000 ° - Aus den Memoiren der Herbjörg Maria Björnsson - Hallgrímur Helgason
Verlag: Klett-Cotta - Seiten: 400
Kurzbeschreibung: Drei Söhne von neun Männern, das ist genug.
In ihrer Garage surft die
80-jährige Herbjörg durchs Internet und begleicht letzte Rechnungen,
während der Ofen für ihre Einäscherung heißläuft.
Island hat Bankrott angemeldet und Herbjörg Maria Björnsson, Modell 1929, kurz Herr genannt, Enkeltochter des ersten isländischen Staatspräsidenten, liegt 80 jährig und sterbenskrank in einer Garage in einem Krankenhausbett. 40 Kilo mariniertes Weiberfleisch (so bezeichnet sie sich selbst) eine Handgranate im Nachtkästchen, eine Perücke auf dem Kopf, den Laptop auf der Bettdecke, mehrere Facebookprofile mit über 700 Freunden, unterm Nachthemd einbrüstig und nun hat sie sich telefonisch auch noch den Termin zur eigenen Einäscherung bestätigen lassen. Montag 14. Dezember soll es soweit sein, bis dahin hat sie noch Zeit um ihr bewegtes Leben Revue passieren zu lassen und sich an ihren Kindern zu rächen, die sie um ihr Vermögen brachten, dazu darf man schon auch mal ein wenig internettkriminell werden ;-)
Ihre Kindheit hat sie glücklich in Island verbracht, bis Herrs Papa mit einer Schwäche für Uniformen seine arische Berufung erkennt und wohl als einer der wenigen Isländer in den Dienst der Nazis eintrat. Die Familie wird nach der Besetzung Islands durch die Engländer auseinander gerissen und Herr mit ihrer Mutter finden zunächst Zuflucht in Kopenhagen. Mobbing isländischer Kinder in dänischen Volksschulen scheint beschlossene Sache zu sein und Herr erlebt ihre persönliche HÖlle, bevor sie schließlich knapp ein Jahr später per Kinderlandverschickung zum Ende ihrer Kindheit nach Amrum zusteuerte.
Ein Wiedersehen in Hamburg mit beiden Eltern schlägt im Kriegswahnsinn fehl und sie erlebt ihren eigenen Wahnsinn mit Hunger, Flucht und permanenten Vergewaltigungen.
Eine "Dame von Welt" die selbige in ihrem langen Leben gesehen und bereist hat, und mehr wie das Recht hat abzurechnen und das in einer nicht leisen und recht derben Sprache.
Ich hatte allerdings sehr große Probleme ins Buch "reinzukommen". Es mag zum einen an den nicht alltäglichen isländischen Namen und Orten gelegen haben was den Lesefluss enorm bremst. Zum anderen wirkten die ersten Kapitel unstrukturiert und verwirrend. Ich hatte kaum Lust weiterzulesen, bin im Nachhinein aber froh doch durchgehalten zu haben, denn mir wären viele wunderbare Episoden entgangen.
Ein pralles und tragisches Leben erzählt mit rabenschwarzem Humor, philosophischen Tiefgang und Wunderbaren Metaphern. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und nachhallt.
Die Überschrift enthält meinen Lieblingssatz - denn dieser ist so vielseitig in diverse Lebenssituationen übertragbar.
Und auch dieser Satz hat mir besonders gefallen, da könnte man prima drüber diskutieren: "Adolfine Hitler wäre bestimmt eine prima Krankenschwester geworden."
Skurill, lebensweise, laut und dennoch leise, vulgär, anrührend, nachhaltig und einem das nahe und doch ferne Island ein wenig näherbringend.

26.10.2011, 22.25 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
~Das Böse ist nie absolut~
24/2011
Interview mit einem Vampir - Anne Rice
Audible exclusiv - 13 Std. 33 Minuten (ungekürzt)
Sprecher: David Nathan
Hörprobe/Audible
Hörbuch/Beschreibung: New Orleans, 1791. Der junge Plantagenbesitzer Louis de Pointe du Lac
will sich das Leben nehmen. Sein Plan wird vereitelt, als der Vampir
Lestat ihn durch einen Biss in den Hals in einen Untoten verwandelt.
Louis, der nun gegen seinen Willen an den kaltblütigen Lestat gebunden
ist, erschafft sich verzweifelt eine Begleiterin, das kleine
Vampirmädchen Claudia. Noch ahnt er nicht, dass sich die schicksalhafte
Beziehung zwischen den dreien durch die Jahrhunderte ziehen wird.
Wenn ich eine Verfilmung gesehen habe dessen Roman ich nicht
kenne, komme ich selten in die Versuchung mir nachträglich das Buch zu kaufen.
In diesem Falle aber hab ich in einer Rezension zum Hörbuch
gelesen: „Wer den Film mag, wird das Hörbuch lieben!“. Das zweite Argument das
mich zum Kauf bewog war der Sprecher. David Nathan. Er hat einfach eine Stimme
die unter die Haut geht.
Louis de Pointe du Lac, ein junger reicher
Plantagenbesitzer, bricht mit dem Leben. Er gibt sich die Schuld am Tode seines
geliebten Bruders und ist dem Tode näher wie den Lebenden. Damit macht er den Vampir
Lestat de Lioncourt auf sich aufmerksam, der Louis kurzerhand ins Reich der
Untoten befördert und ihn in Seinesgleichen verwandelt.
Fortan leben die beiden Gefährten gemeinsam mit Lestats Vater auf Louis
Plantage in der Nähe von New Orleans. Der einfältige Lestat frönt ausschweifend
und dekadent dem Luxus, den er sich ohne Louis Reichtum nie hätte leisten
können.
Louis, anfangs noch berauscht von seiner Metamorphose zur Nachtgestalt,
verabscheut Lestat für seine Verschwendung und seinen Sadismus und Verachtung
dem Leben gegenüber. Er kämpft mit dem Gewissen dass er sich über den Tod
hinaus bewahrt hat und der Tatsache und Notwendigkeit des Tötens um sich selbst
erhalten zu können, und erkennt zu welcher Hölle ihn Lestat verdammt hat.
Als Lestat bemerkt, dass Louis ihn verlassen will erschafft
er just einen weiteren Vampir um ihn an sich zu binden. Ein kleines 5-jähriges Mädchen
namens Claudia, zu der Louis sich hingezogen fühlt. Diese Vampirfamilie
funktioniert viele Jahre, bis Claudia aufbegehrt. Sie erfährt wer sie auf ewig
in den Körper eines Kindes gesperrt hatte und in ihrem grenzenlosen Hass will
sie Lestat vernichten.
Louis und Claudia flüchten vor Lestat und machen sich mit einem
Schiff nach Europa auf, getrieben von der Sehnsucht weitere Vampire zu finden
und ihre Fragen beantwortet zu bekommen.
Nach ihrer Reise durch Osteuropa quartieren sie sich in Paris ein und erhalten
eine Einladung zum Théatre des Vampires. Dort trifft Louis auf den ältesten
lebenden Vampir Armand und fühlt sich auf eigenartige und manipulierte Weise zu ihm
hingezogen.
Diese ganze Geschichte über den Zeitraum von 200 Jahren
erzählt Louis dem Jungen Daniel Molloy in einem Hotelzimmer im San Franzisko
des 20. Jahrhunderts, der das Interview mit dem Vampir auf mehreren Tonkassetten
festhält.
Wer sich vor dem Hörbuch scheut weil er eine Abhandlung des bereits bekannten Films fürchtet, dem sei gesagt, dass das Buch viel reichhaltiger ist wie die Verfilmung, viel tiefgründiger. Mir hat die Verfilmung sehr gut gefallen und dennoch find ich das Buch um Längen besser. Vieles wird im Film gar nicht umgesetzt oder ganz anders. Einiges mag für die Handlung im Film nicht unbedingt relevant gewesen sein, aber das Verstehen um die Gefühle bleibt auf der Strecke.
Inzwischen sind seit der Erstveröffentlichung dieses Romans 35 Jahre vergangen, und dass er sich eine Art Kultstatus erworben hat liegt mit Sicherheit an der Faszination der Unsterblichkeit.
Was diesen Roman auch so interessant macht ist die Betrachtung der Dinge aus der Sicht der Vampire. Die Ich-Erzählung macht das ganze unheimlich lebendig. Diese Melancholie die Louis in sich trägt, seine Zerissenheit, sein Selbsthass wird richtig greifbar. Philosophisch wird es in Dialogen über die Frage nach der Existenz Gottes und der Wahrhaftigkeit des Teufels, der Sinnlosigkeit eines unsterblichen Lebens.
Das Hörbuch lohnt sich auf alle Fälle. Ein wunderbarer Roman der noch lange nachklingt. Von Beginn an herrscht eine düstere Atmosphäre der man sich kaum entziehen kann. Die getragene Erzählweise vermittelt eine ganz besondere Stimmung, und David Nathan vermag es in unnachahmlicher Weise den Charakter jedes Protagonisten ganz individuell herauszuarbeiten und Emotionen zu erzeugen.

06.10.2011, 22.07 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
~Krimi auf Platt~
21/2011
Tod im Apothekenhaus - Wolf Serno
Verlag: Knaur TB - Seiten: 448
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Kurzbeschreibung: Hamburg, 1716: Der Apotheker Teodorus Rapp ist fasziniert von den Absonderlichkeiten der Natur. Über Jahre hinweg hat der menschenscheue Eigenbrödler unzählige Kuriositäten angehäuft. Doch dann wird seine einmalige Sammlung gestohlen und er selbst in eine mörderische Intrige verwickelt. Verzagt macht sich Teodorus auf die gefährliche Suche - und findet weit mehr als nur seinen geraubten Schatz....
Hamburg im 18. Jahrhundert. Theodorus Rapp, ein eigenbrödlerischer Apotheker, wird auf dem Heimweg von einem Konzert auf der Straße bewusstlos geschlagen und erwacht viele Stunden und Meter vom Tatort am Hafen in Lumpen gekleidet wieder, seiner Perücke und Kleidung beraubt und in dem festen Glauben bei den Handgreiflichkeiten zwei Menschen erschlagen zu haben.
Als er endlich seine Apotheke erreicht, traut er seinen Augen nicht - denn er steht sich selbst gegenüber und einer infamen Intrige gegen ihn. Er begibt sich fortan alleine an die Aufklärung und sieht sich plötzlich als Gehilfe in seiner eigenen Apotheke und somit gefährlichen Verbrechern gegenüber, die ihn um sein Kostbarstes bringen wollen - seinen Thesaurus.
Mein erster Roman von Wolf Serno der mich recht kurzweilig unterhalten hat. Die Geschichte ist recht spannend geschrieben, wenngleich ich mich auch nicht unbedingt in einem Krimi gesehen habe. Das Ganze erinnerte mich doch eher an ein Bühnenstück, eine Komödie auf Platt. (Platt zu lesen und es dann auch noch zu verstehen ist allerdings nicht immer sehr leicht gewesen) Sehr humorvoll und man kann sich das Schmunzeln stellenweise nicht verkneifen.
Die Beschreibungen Hamburgs im 18. Jahrhundert und des Apothekerhandwerks zur damaligen Zeit scheinen gut recherchiert und fügen sich sehr realistisch in die Geschichte ein.
Einzig und alleine, und deshalb gibts Punktabzug, ärgerte mich der Schluß. Man fieberte auf die Auflösung zu und bekam 2 Seiten im Epilog und bleibt unbefriedigt zurück. Schade eigentlich!

13.09.2011, 22.21 | (7/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
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